Brücke der Freundschaft e. V.

Berichte und Meinungen von Mitgliedern und Gästen

Auf dieser Seite finden Sie Kommentare, Beiträge und Bilder unserer Mitglieder und Gäste zu unseren Veranstaltungen.

On this page you can find comments of our members and guest of our Events.

 

2022-04-29 Ein Ausflug nach Fürstenwalde/Spree

Am 29. 04. 2022 fand der von Dagmar organisierte Ausflug in die nur ca. 50 km von Berlin entfernte Kreisstadt Fürstenwalode statt. 14 Mitglieder nahmen daran teil. Fürstenwalde/Spree ist die bevölkerungsreichste Stadt im Landkreis Oder - Spree im Osten des Landes Brandenburg. (ca. 35.000 EW) Da nach der Wende zahlreiche Produktionsstätten erhalten geblieben sind, fand keine Abwanderung statt. Dagmar hatte zu 11 Uhr eine Stadtführung gebucht. Zu unserer Überraschung kam der Gästeführer im historischen Kostüm des Scharfrichters Gutschlag mit seiner Scharfrichteraxt auf uns zu. Gutschlag war im 16. Jh. in Fürstenwalde unterwegs und waltete seines Amtes. Viel Interessantes hatte er zur Geschichte der Stadt und zur Gerichtsbarkeit vor 400 Jahren zu erzählen.

Der Dom St. Marien (erbaut 1446) und das Alte Rathaus (um das Jahr 1500 erbaut) sind die stadtbildprägenden Wahrzeichen der Stadt. Der Rathausturm wurde erst 1624 hinzugefügt. Das Alte Rathaus beherbergt heute das Brauereimuseum, den Festsaal und eine Galerie. Der Dom wurde im April 1945 fast vollständig zerstört. Nach dem 2. Weltkrieg wurde er im Wesentlichen wieder aufgebaut. Im Inneren präsentiert er sich im modernen Gewand. Hier richtete sich die Domgemeinde ihr Gemeindezentrum ein. Am Domplatz befindet sich das Städtische Museum Fürstenwalde. Vor dem Museum steht ein ausgedienter Leuchtturm zur Erinnerung an Julius Pintsch, den Leuchtturmkönig. In seiner Firma wurden u. a. Seezeichen für alle Weltmeere produziert. Daneben steht ein Taubenhaus aus dem 19. Jh. Die Kacheln stammen aus einer Fabrik aus Fürstenwalde.

Auf dem Weg zum Galgenberg, wo 1725 die letzte Hinrichtung stattfand, liefen wir den Dorothea-von- Reppen-Weg entlang. Der Fußweg im Zentrum der Stadt wurde 2013 nach einer Frau benannt, die als Hexe im Jahr 1566 verbrannt wurde. Damit wurde die Fürstenwalder Bürgerin rehabilitiert und es wird an das grausame Geschehen erinnert. Am Goetheplatz konnten wir das am besten erhaltene Stück der Stadtmauer mit dem Bullenturm und ausgedehnte Grünflächen sehen. Über den Platz wurde das Vieh zur Weide an die Spree getrieben. Kühe, Stiere und Kälber aus Metall erinnern daran.

Da Fürstenwalde im 2. Weltkrieg stark zerstört wurde, sieht man im Stadtbild überwiegend neue Wohnblöcke und Geschäftshäuser. Es gibt aber auch einige alte sehenswerte Häuser. In der Tuchmacherstraße 12 steht aus dem 17. Jh. das schmalste Haus der Stadt, nur 3,83 m breit. Heute befindet sich darin das Restaurant „Zunfthaus 383“. Hier kehrten wir ein. Eine gute Wahl! Das Essen war schmackhaft, die Bedienung freundlich und unterhaltsam. Besondere Freude hatten wir an dem Aufzug der Speisen und Getränke in die oberen Stockwerke transportierte, denn wir waren im 3. Stock platziert. Da Alice direkt am Aufzug saß, durfte sie Getränke und Essen verteilen und Nachbestellungen an die Küche senden. Als Dankeschön gab es - natürlich per Aufzug - ein Schnäpschen mit dem Feuerwertk einer Wunderkerze für sie.

Wir verlebten wieder einmal einen interessanten Tag in netter Gesellschaft. Dagmar gilt unser aller Dank!!!

Karin L.

 

2022-04-05 Auf den Spuren von Mascha Kaléko

Unsere Zeitreise begann am Delphi Palast – heute ein gern besuchtes Kino, in den Zwanziger Jahren Tanzpalast, wo sich die Berliner vergnügungssüchtige Gesellschaft gern traf. Die Einlassschlange soll wohl mehrere 100 m in die Kantstraße hineingereicht haben. Ist ja heutzutage im Berghain auch nicht anders! Mascha war hier wohl Stammgast. Das Licht der Welt erblickte sie 1907 im galizischen Chrzanów als nicht ehelich geborenes Kind eines jüdisch-russischen Kaufmanns und seiner jüdisch-österreichischen Frau. Die standesamtliche Eheschließung fand allerdings erst 1926 in Berlin statt. Die Mutter beschrieb Mascha als schwieriges Kind, denn sie war wohl von Anfang an etwas aufmüpfig. Für Juden war das Leben auch Ende des 19. Jh. in Europa nicht einfach, weswegen die Familie, zunächst nur die Mutter mit den beiden Töchtern zu Beginn des ersten Weltkrieges nach Deutschland übersiedelte. Nach mehreren Stationen gelangten sie nach Berlin. Hier wuchs Mascha – inzwischen ein lebenshungriger Teenager – zwischen Tradition und der Moderne der Zwanziger Jahre auf. Gern hätte sie studiert, das verwehrte der auf Tradition bedachte Vater. So blieb ihr nur die Abendschule, um ihren Wissendurst zu stillen. Ende der 1920er kam sie mit der künstlerischen Avantgarde Berlins in Kontakt. Zu jener Zeit war sie bereits mit dem Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko verheiratet. Sie begann Gedichte zu schreiben, wirkte beim Rundfunk und im Künstlerkabarett mit.

Zurück zu unserem Spaziergang. Heute erinnert an der Straßenecke Kant/Fasanenstraße nicht nur das Delphi an die wilden Zwanziger, sondern auch das Theater des Westens, eröffnet 1911. Im Zweiten Weltkrieg wurde diese Ecke durch Bomben total zerstört, so dass von der Pracht und Herrlichkeit der Zwanziger nicht mehr viel übrig war. Aber bereits im Mai 1945 kurz nach Kriegsende wurde im provisorisch wieder hergestellten Theater der Spielbetrieb erneut aufgenommen. Die Menschen dürstete es nach Kultur. Können wir nach 2 Jahren Corona gut nachvollziehen! Wir machten als Nächstes einen Abstecher in die Fasanenstraße und zum Künstlerhaus St. Lucas, welches 1889/90 von Bernhard Sehring als Wohn- und Atelierhaus erbaut wurde. Hier sollten Künstler zusammen leben und arbeiten. Diesen Charakter hat das Haus bis heute! Es steht unter Denkmalschutz und manchmal finden Führungen statt. Es lohnt sich!

Uns zog es weiter entlang der Kantstraße, vorbei am Schwarzen Café, wo sich in den Sechzigern die linke Szene traf, und an der Paris Bar, Treffpunkt für viele Künstler. Frau Kothlow schlüpfte immer wieder in die Rolle der Mascha, rezitierte Gedichte und machte so eine vergangene Zeit für uns erlebbar. Am Savignyplatz erfuhren wir, dass Mitte der 1880er Jahre geplant war, hier einen Wendeplatz für Ausflugsdampfer anzulegen.

Daraus wurde wohl nichts! Nachdem das Auto die Pferdedroschken abgelöst hatte, wurden die in den Straßen um den Platz angesiedelten Pferdeställe überflüssig und 1926 wurde der Platz in seiner heutigen Gestalt angelegt. Diese erhielt er nach vielen Veränderungen anlässlich der 750-Jahrfeier in Berlin zurück. Eine grüne Oase mitten in einem belebten Stadtkiez umsäumt von vielen Restaurants.

Nächste Station war ein Eckhaus im Else Ury Bogen, bevor wir zum Haus Bleibtreustraße 10/11 pilgerten, wo Mascha von 1936 – 38 lebte, bevor sie in die USA emigrierte, um so den Progromen der Nazis zu entkommen. Sie war inzwischen in zweiter Ehe mit dem polnischen Musiker und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver verheiratet, den sie selbst als ihren Hafen bezeichnete. Ihrer beider Sohn Michael war bereits im Jahre 1936 geboren worden.

 

 

Nach dem Krieg erlebten Maschas Texte in Deutschland ein Revival und ihre Schriften wurden wieder verlegt. Den Fontanepreis 1960 lehnte sie allerdings wegen der NS-Vergangenheit eines Jury Mitgliedes ab. Ein letztes Mal besuchte sie Deutschland 1974. Ihr Mann und ihr Sohn waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, sie selbst schwer krank. Sie lebte inzwischen in Jerusalem, musste aber auf der Heimfahrt dorthin aufgrund ihrer angegriffenen Gesundheit einen Zwischenstopp in Zürich einlegen, wo sie im Januar 1975 verstarb. Ihr Vermächtnis sind u. a. Gedichte, die als Chansons vertont, noch heute vorgetragen werden. Mich hat das Schicksal dieser avantgardistischen Frau sehr bewegt und ich habe auf diesem Spaziergang wieder ein Stück Berlin neu entdeckt. Ein ganz herzliches Dankeschön an Dagmar S., die diesen wunderschönen Spaziergang organisiert hat.

Ilona S.

 

2022-03-12 Faszination in Form und Glasur – Ein Besuch im Keramikmuseum Berlin

Ohne diese Vereinsveranstaltung wäre ich wahrscheinlich nie in dieses Museum gegangen. Ich wusste  nicht einmal, dass es ein solches in Berlin gibt, obwohl das Museum bereits im Jahre 1990 auf Initiative des Keramikforschers, Sammlers und Galeristen Heinz-Joachim Theis, der auch heute noch Leiter des Museums ist, gegründet wurde. Er begrüßte uns persönlich in der Schustehrusstraße 13 vor dem ältesten Bürgerhaus Charlottenburgs. Von der Straße aus nicht zu vermuten sind die zwei Innenhöfe des Hauses, die eine ansprechende romantische Kulisse bilden. Wir wurden zunächst in den zweiten Innenhof gebeten, wo Herr Theis mit seiner Führung begann und uns einiges über die Geschichte des Hauses erzählte. Vom Schlossbaumeister Eosander von Göthe im Jahre 1712 für dein Goldschmied Gottfried Berger errichtet, hat das alte Gemäuer viel zu erzählen. Der Bauherr betrieb eine Werkstatt zur Herstellung von Schmuckknöpfen, die sich im Seitenflügel auf dem Hof befand, war aber auch als Handwerker am Schlossbau beteiligt. Von 1843 bis 1980 gehörte das Haus der Familie Eckmann. Ab 1877 unterrichtete der Tanzlehrer Ernst Eckmann in einem im Hof erbauten Saal angeblich bis zu 500 Personen im Gesellschaftstanz. Muss gemütlich zugegangen sein! Der zweite Weltkrieg ließ davon allerdings nicht viel übrig. Den Tanzsaal gibt es nicht mehr, auf seinem Schutt befindet sich jetzt der zeite Hof. Das Haus verwahrloste und entging 1983 nur aufgrund einer couragierten Bevölkerung einem Abriss ohne Genehmigung, obwohl es bereits 1981 in die Denkmalliste aufgenommen worden war.

Im Jahre 2004 zog nun nach Ausschreibung und einigem Hin und Her das Keramikmuseum hier ein. Der Förderverein begann mit der denkmalgerechten Sanierung. Die Fassade, ein Blickfang in der Schustehrusstraße, wurde im Stil des Klassizismus, also so wie das Haus vielleicht um 1800 aussah, rekonstruiert. Im alten Haus gibt es zwei Ausstellungsräume mit wechselnden Präsentationen, derzeit Keramiken von Christiane Grosz. Die Sammlung des Museums umfasst immerhin 8000 keramische Objekte des deutschen Kulturraumes aus allen Bereichen wie Gefäße und Plastik aber auch Bau- und Ofenkeramik. In einem kleinen Ausstellungsraum im ersten Hof, dem "Kabinett", konnte man Objekte aus der Sammlung der 2020 verstorbenen Sammlerin Edith Stohlmann bewundern, die ihre Sammlung dem Museum vermacht hatte. Mich beeindruckten insbesondere die phantasievollen Skulpturen der Steinböcke und die Schablonen- und Spitzendekore.

Nach knapp zwei Stunden verabschiedeten wir uns voller Eindrücke von Herrn Theis und seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern und spazierten über die Wilmersdorfer Straße zur Gaststätte „Wilhelm Hoeck 1892“. Eine echte Entdeckung! Hier in einer der ältesten Kneipen-Gaststätten Berlins findet man noch die echte Urberliner Kneipenathmosphäre und auch authentische Berliner Speisen. Der Kneipenraum mutet an, wie aus einer anderen Zeit. An den Wänden Bilder von Künstlern, die hier wohl Stammgäste waren, denn unweit der Gaststätte befindet sich die „Deutsche Oper“. 1892 war die Kneipe noch an eine Likörfabrik angeschlossen und der heutige Schankraum war eine Probierstube. Daran erinnern die alten Schnapsfässer und „Gluckerflaschen“.

Wir ließen es uns jedenfalls bei Königsberger Klopse und anderen Gerichten schmecken und führten interessante Gespräche. Ein durch und durch gelungener Nachmittag mit vielen unvergesslichen Eindrücken. Mein persönlicher Dank gilt Dagmar, die dies alles organisiert hat. Erneut haben wir ein Stück Berlin entdeckt, welches vielen von uns bisher unbekannt war.

Ilona S.

04.03. - 05.03.2022 Hilfe für Ukrainische Freunde

Am 24. Februar 2022 begann der Krieg in der Ukraine, der bis heute sehr schlimme Ausmaße angenommen hat! Deshalb hat sich unsere Freundin Hanna Budivska aus Kiew am 1. März entschieden, mit einigen Verwandten ihrer Familie zu flüchten. Ihre erste Etappe bis Katowice dauerte immerhin bis zum 4. März. Dort wurde die Gruppe von Janusz vom dortigen Chapter am Bahnhof begrüßt. Es war nur ein kurzer Zwischenstopp, denn ihr eigentliches Ziel war um 17:06 Uhr Berlin Ostbahnhof. Hier hofften sie dann, um 17:20 Uhr ihren Zug nach Frankfurt a. M. zu bekommen. Leider wurde dieser Plan zunichtegemacht, denn ihr Zug erreichte erst gegen 19:00 Uhr sein Ziel. Nun waren sie in Berlin gestrandet. Glücklicher Weise waren Verena und Hans-Dieter am Bahnhof, eigentlich nur um kurz „Hallo“ zu sagen. Es galt nun zu entscheiden, wie es mit Hanna, den 3 Frauen und deren 3 Kindern weitergehen soll.

Schon im Laufe des Abends erhielt ich während des Stammtischs in der Heidelbeere den Anruf, dass der Zug mindestens 1 Std. und 30 Min. Verspätung haben wird. Deshalb habe ich kurzentschlossen entschieden, für die kleine Gruppe 3 Hotelzimmer zu reservieren. Mein Anruf beim Hotel Carolinenhof war erfolgreich! Der freundliche Herr an der Rezeption reservierte die notwendigen Hotelzimmer auf meinen Namen. Nun war dieses Problem erst einmal gelöst!!! Die Gruppe machte sich vom Ostbahnhof auf den Weg zum U-Bahnhof Berliner Straße. Gegen 19:45 Uhr trafen wir fast gemeinsam dort ein. Der kurze Weg zur Landhausstraße war nur noch eine kleine Hürde für alle. Im Hotel angekommen, konnten die Flüchtenden aus der Ukraine relativ schnell ihre 3 Zimmer beziehen. Die Leiterin des Hotels kümmerte sich um das leibliche Wohl der Gäste und half mir, beim Pizzaservice eine Bestellung aufzugeben. Im 7. OG des Hotels gibt es einen kleinen „Gemeinschaftsraum“, in dem alle etwas zur Ruhe kommen und gemeinsam essen konnten. Leider war die Kommunikation mit unseren Gästen  etwas mühsam, denn nur mit Hanna und Andrew, dem 13jährigen Jungen, konnten wir Englisch sprechen. Gegen 22:00 Uhr ging es dann ab ins Bett und für mich nach Hause. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns zum Frühstück um 8:30 Uhr. Auch hier hatte sich das Hotel sehr kooperativ gezeigt und der Gruppe einen Extraraum zur Verfügung gestellt. Die beiden kleinen Mädchen nutzten die Gelegenheit und spielten mit den mitgebrachten Stofftieren munter und fröhlich im ganzen Raum.

Am Samstagvormittag unternahmen wir gemeinsam eine kleine „Sightseeingtour“ in Berlin. Diese Ablenkung von den Schrecken der Flucht tat unseren Gästen und insbesondere ihren beiden Kindern gut. Nur Tatjana und die kleine Katja blieben im Hotel zurück. Glücklicherweise konnten wir das ganze Gepäck im Hotel einschließen. Vom U-Bahnhof Güntzelstraße fuhren wir zum Kurfürstendamm, wir gingen in die Gedächtniskirche und zur Gedenkstätte des Attentats vom 19. 12. 2016. Im Bikinihaus freuten sich die Kinder, dass sie durch das große Fenster einen Blick auf den Affenfelsen im Berliner Zoo werfen konnten. Unser nächstes Ziel war der Potsdamer Platz. Der Bus M 200 brachte uns schnell dort hin. Nach einem kurzen Rundgang ging es zum Essen in das Restaurant „Corroboree“ (Australische Küche). Nach der schmackhaften Stärkung war nun schon die Zeit gekommen, uns auf den Rückweg zu machen. Tatjana und Katja erwarteten uns schon an der Rezeption. Die vielen Gepäckstücke, bestehend aus Rucksäcken, kleinen Taschen und Tüten, wurden eingesammelt und wir starteten zum Bahnhof Gesundbrunnen. Diesen Bahnhof auszuwählen war eine sehr gute Entscheidung, denn der Zug wurde hier eingesetzt und kam pünktlich! Die Gruppe hatte ausreichend Zeit und Ruhe, zwei Abteile auszusuchen. Jeder fand seinen Platz und der Zug fuhr planmäßig um 14:54 Uhr ab. Die Ankunft in Frankfurt war um 18:56 Uhr vorgesehen. Hier wurden sie von netten Freunden erwartet. Fortsetzung folgt! Da wir weiter mit Hanna in Kontakt sind und bleiben, werde ich euch mit Informationen auf dem Laufenden halten.

Hannelore B.

 

17.01.2022 - Ferdinand Hodler und die Berliner Moderne

So der Titel einer Ausstellung in der Berlinischen Galerie. Ich mochte dieses Museum schon sehr lange und war in der Vor-Coronazeit relativ häufig dort, aber seit 2 Jahren nicht mehr! Ferdinand Hodler sagte mir auch nichts, wirklich gar nichts, aber das Veranstaltungsangebot unseres Vereins sprach mich an und so traf ich mich mit 9 weiteren Freunden ziemlich unvorbereitet zu einer privaten Führung durch diese Ausstellung. Nun steht und fällt eine solche Führung immer mit der Art und Weise der Präsentation durch den Ausstellungserklärer. An dieses Wortungetüm muss ich mich auch erst gewöhnen! Moderne Zeiten! Womit ich auch schon beim Thema bin, denn der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler ist aus der Kunstzszene im Berlin der Jahre 1900 bis 1914 nicht wegzudenken. Fast jährlich gestaltete er eine Ausstellung in Berlin und war fest verankert in der hiesigen Kunstszene. Seine Bilder beeindrucken auch heute noch außerordentlich. Die 90-minütige Führung ging wie im Flug vorbei, denn sie war äußerst interessant und informativ. Mit dem Gemälde "Die Nacht" hatte Hodler 1889 seinen Durchbruch.

Wie so häufig in der Kunst ging dem jedoch ein Skandal voraus. Das Gemälde wurde von den Schweizern als sittenwidrig verurteilt und seine Ausstellung im Genfer Musée Rath verhindert. Was natürlich nur die Neugierde der Kunstliebhaber befeuerte, so dass Hodler selbst Ausstellungen organisierte, um das Bild einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Damit war sein Aufstieg zu den führenden Malern Europas nicht mehr aufzuhalten. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 wurden 3 seiner Werke mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Noch im gleichen Jahr wurde er Mitglied der Berliner Secession. Aber in Jahre 1914 wurde er aus fast allen Kunstvereinen in Deutschland ausgeschlossen. Warum? Der erste Weltkrieg hatte begonnen. 1914 wurde die Kathedrale in Reims von der deutschen Artillerie beschossen und in Brand gesetzt: Für die Franzosen ein Akt der Barbarei der deutschen „Hunnen“ und „Vandalen“, Ausdruck der tief verwurzelten Feindschaft zwischen beiden Völkern. Ferdinand Hodler unterzeichnete einen Protestbrief gegen den Beschuss der Kathedrale durch die deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg und die vom Nationalismus geprägten Deutschen wandten sich von ihm ab. So geht Geschichte! Heute werden seine Bilder auf dem Kunstmarkt so hoch gehandelt, dass sie für öffentliche Museen nicht mehr erschwinglich sind. Ein einziges Werk befindet sich in Berlin und zwar in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie. Und die Deutschen, sie können diesen hervorragenden und wegweisenden Künstler der Klassischen Moderne wieder schätzen.

Mich haben seine Bilder jedenfalls sehr beeindruckt. Und mein Dank gilt Hannelore B., die die Idee zu diesem Ausstellungsbesuch hatte und die Führung organisierte.

Ilona S.

 

27.11.2021 - GAME OVER, Streetart trifft digitale Kunst

Für den 27. November 2021 hatten wir den Besuch der Ausstellung GAME OVER am Nollendorfplatz geplant und auch umgesetzt. Leider war es nur möglich, für 6 Mitglieder Karten für diesen Tag zu bekommen. Die Künstlergruppe „Dixons“ war ein Jahr damit beschäftigt, die ehemalige Spielhalle in eine moderne Ausstellung mit Gegenwartskunst umzuwandeln! Es ist allen Künstlern gelungen, denn jeder Raum hatte für uns eine neue Überraschung parat. Teilweise befanden wir uns in einem Labyrinth der Farben! Zu sehen sind Tape Art, Videoinstallationen, Graffiti und viel digitale Kunst. Mit einer eigens für GAME OVER entwickelten App lässt sich die Schau mit anderen Augen betrachten. Freundlicher Weise stellte man uns 3 Tablets zur Verfügung, die wir auch fleißig nutzten.

Beeindruckt von so viel Lichteffekten und Videoanimationen verließen wir nach ca. 1,5 Std. diese einmalige Ausstellung. Ein Besuch lohnt sich! Was mit den zahlreichen Werken der Künstler passiert, ist noch nicht ganz geklärt, denn viele Malereien wurden direkt auf die vorhandenen Betonwände aufgebracht. Da kann man nicht einfach ein Gemälde nach Hause tragen … . Noch ist Zeit, eine Lösung zu finden! 

Hannelore B.

 

28.10.2021 - Premiere im GRIPS Theater

Tue Gutes und rede darüber!  Unsere Spende an das Grips Theater wurde von den Darstellern und den Organisatoren (Verwaltung und Bühnenmitarbeitern) mit Dank angenommen. Als kleine Gegenleistung hatten einige Mitglieder die Gelegenheit, die vielseitigen Räumlichkeiten hinter der Bühne zu besichtigen und anschließend der Vorstellung beizuwohnen. Da das Theater früher ein Kino war, mussten nach der Übernahme durch das Grips Theater 1974 einige Veränderungen vorgenommen werden. Die Räumlichkeiten wurden nach eigenen Vorstellungen umgebaut und durch Anbauten ergänzt. Umrahmt von Zuschauerbänken gleicht die Bühne einer Arena. Dadurch ist jeder nah am Geschehen und kann von fast jedem Platz optimal sehen. In der Schneiderei und in der Maske herrschte reges Treiben, wie es sicher vor jeder Vorstellung üblich ist. Auf der Probebühne übergaben wir symbolisch unsere Spende in Form eines großen Knallbonbons. Bevor es dann zur eigentlichen Vorstellung ging, konnten wir uns noch mit einem kleinen Imbiss stärken.

Pünktlich um 17.00 Uhr begann die Premierenvorstellung des Stückes „Stecker ziehen“. In dem Stück geht es um vier Schulkinder (2 Mädchen und 2 Jungen), die in die 4. Klasse gehen. Sie sind sehr unterschiedlich, aber wenn es darauf ankommt, halten sie zusammen. In letzter Zeit allerdings haben sie oft Stress, vor allem mit den Klassenarbeiten und den Noten. Noch mehr Druck erzeugen die ständigen Bewertungen ihres Verhaltens und ihrer Leistungen mit Blitzen oder Sternchen. Als ein Mitschüler während der letzten Mathematikarbeit einfach vom Stuhl gekippt und seitdem nicht mehr in die Schule gekommen ist, haben die vier Schüler noch Angst davor, dass es ihnen auch passieren könnte. Gemeinsam beschließen sie, etwas gegen den Stress zu unternehmen. Aber es ist gar nicht so einfach, das richtige Mittel dagegen zu finden. Gespräche mit den Eltern und Lehrern helfen ihnen, zu sich selbst zu finden und ihre Ängste vor der Zukunft besser zu meistern.

Besonders gut gefiel mir die Schauspielerin Amelie Köder, die in verschiedene Rollen schlüpfte! Mit nur wenigen Requisiten und typischen Gesten, die oft sehr komisch wirkten, verwandelte sie sich in die Klassenlehrerin, die Schülerin Jana und in diverse Mütter mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften. Es war für alle ein amüsanter Nachmittag mit vielen neuen Eindrücken.

Gemeinsam mit dem Verein waren wir bereits 2 x im Grips Theater und haben die Stücke „Die letzte Kommune“ (März 2014) und „Frau Müller muss weg“ (Oktober 2012) gesehen. Könnt Ihr Euch daran noch erinnern???

Hannelore B.

 

03.09.2021 Ein Tag im Wörlitzer Park

Für mich war es nicht der erste Besuch in den Wörlitzer Gartenanlagen, aber das Schloss hatte ich bisher noch nicht besichtigt, also war die Neugier und die Vorfreude auf den Ausflug groß. Die Busfahrt war angenehm und relativ kurz. Wir teilten uns den Bus mit nur 11 weiteren Ausflüglern, so dass jeder ausreichend Platz hatte. Wahrscheinlich hätte die Tour ohne unsere Gruppe wegen zu geringer Teilnehmerzahl gar nicht stattfinden können. Das Sahnehäubchen war natürlich das Wetter. Aber der Reihe nach. In Wörlitz angekommen, führte uns die Reiseleiterin auf direktem Weg zum Schloss, wo wir schon zu einer Führung erwartet wurden. Nachdem die Schuhe gesäubert waren, und wir eine Treppe zu den Präsentationsräumen erstiegen hatten, startete die Führung in der Rotunde. Von dort aus ging es durch die einzelnen Räume, und wir erfuhren viel über die Geschichte der Fürstenfamilie und des Schlosses. Es wurde auf Veranlassung des erst 29-jährigen Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff als Bauherrn errichtet, 1773 vollendet und gilt als Gründungsbau des Klassizismus. Von der Familie wurde es als Sommerresidenz genutzt. Vor 250 Jahren war das Schloss revolutionär hinsichtlich Einrichtung und Ausstattung. Fürst Leopold hatte auf seinen Reisen nach England Anregungen gesammelt und seine Handwerksmeister zum Lernen dorthin geschickt. So verfügt dieses Schloss bereits über gusseiserne Öfen, Wandklappbetten, eine Wasserpumpe zur Versorgung des oberen Stockwerkes, Aufzüge für den Abtransport der Fäkalien, versenkbare Türen u. v. m. Interessant auch, dass das Schloss während der Abwesenheit des Fürstenpaares zum Lehr- und Anschauungsunterricht für die Lehrlinge der verschiedensten Gewerke diente. Wir kamen jedenfalls aus dem Staunen nicht heraus!

Nach dem anschließenden Mittagessen machte sich unsere kleine Reisegruppe selbständig und los ging die Entdeckungsreise durch den Park. Dieser wurde am Wörlitzer See, einem Seitenarm der Elbe, zwischen 1769 und 1773 durch eben jenen aufklärerischen Fürsten Leopold im Stile eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Er diente nicht nur der Erholung, sondern sollte auch von praktischem Nutzen sein und einen Bildungsauftrag für die Untertanen erfüllen, so dass er von Beginn an für die Öffentlichkeit zugänglich war. Mit einer Gesamtfläche von 112,5 ha ist er einer der größten Landschaftsparks Deutschlands.

Wir begannen unsere Besichtigungstour mit einer wirklich lustigen Gondelfahrt. Unser Gondoliere steuerte uns nicht nur sicher über die Gewässer, sondern erzählte auch viel über die Gebäude und Sehenswürdigkeiten des Parks. Vorbei ging die Fahrt am Schloss, welches wir nun auch von der Wasserseite aus sahen, an der Synagoge, an der goldenen Urne, in der das erste Kind des Fürstenpaares, welches noch im Säuglingsalter verstarb, bestattet wurde, unter vielen Brücken hindurch und, und, und ...

Nach etwa einer Stunde hatten wir nunmehr einen guten Überblick und machten uns zu Fuß auf den Weg. Nach dem Rendezvous mit der Muschelsucherin statteten wir der Synagoge einen Besuch ab. Dann ging es mit der Amtsfähre auf die andere Seite. Dort erwartete uns die kniende Venus und wies den Weg zum Wurzelhäuschen. Auf Schochs Insel bewunderten wir das gotische Haus und versäumten es auch nicht dem von Prinz Charles gepflanzten Maulbeerbaum die Ehre zu erweisen. Nach einem großen Bogen um den Neumarks Garten erreichten wir nach gut 1,5 Stunden wieder den Wörlitzer Hof. Bei Kaffee und Eis klang im Biergarten dieser wunderschöne Tag für uns aus.

Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass wir mit dem BVB-Bus natürlich wieder schnell und sicher nach Berlin zurück kamen. Der Reiseveranstalter BVB Touristik hat für die perfekte Organisation dieses Tagesausflugs ein großes Lob und Busfahrer und Reiseleiterin haben ein DankeSchön verdient.

Ilona S.

 

16.03.2021 Erste Schritte aus dem Lockdown

Spaziergang mit Martin Forberg

Am 16. März 2021 gab es eine kleine Premiere, denn die erste Aktivität nach langer Zeit konnte stattfinden! Im Angebot stand ein Rundgang im Bayerischen Viertel mit Martin Forberg. Pünktlich um 14.00 Uhr trafen 2 Mitglieder des Vereins Herrn Forberg am U-Bahnhof „Bayerischer Platz“. Die beliebte Wohngegend rund um den Platz wurde zwischen 1900 und 1914 von der Berlinischen Boden-Gesellschaft (BBG) unter ihrem Mitbegründer Salomon Haberland errichtet. Elegante Fassaden, Vorgärten, grüne Schmuckplätze und ein eigener U-Bahnhof der heutigen Linie U4 prägten das Viertel. Zahlreiche Straßen erhielten die Namen bayerischer Städte. Die damaligen Bewohner waren Ärzte, Rechtsanwälte, Beamte, Künstler und Intellektuelle. Das Viertel war auch ein Anziehungspunkt für jüdische Bürger. In der Münchener Straße errichteten sie 1909 eine orthodoxe Synagoge. Leider kann man heute nur ein Denkmal für die zerstörte Synagoge besichtigen.

Auch die evangelische Kirche zum Heilsbronnen in der Heilbronner Straße war eine Station während unserer Besichtigungen. In der Haberlandstraße 5 standen wir dann vor dem ehemaligen Wohnhaus von Albert Einstein. Er wohnte hier mit seiner Ehefrau von 1917 bis 1932. Leider wurde das Haus im Krieg zerstört. Eine Stele vor dem Neubau gibt Auskunft über das Leben und Wirken des Physikers, der 1921 den Nobelpreis erhielt.

In den Nächten vom 1. zum 2. März 1943 und vom 22. zum 23. November 1943 zerstörten alliierte Luftangriffe und anschließende Feuer das Viertel zu rund 75 Prozent. Vor allem nördlich der Grunewaldstraße klafften große Lücken. Zwischen 1955 und 1959 wurden sie im Zuge des Berliner Aufbauprogramms durch vierstöckige Neubauten geschlossen. Zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Einwohner realisierten zwei Künstler im Jahr 1993 im Auftrag des Senats das flächendeckende Denkmal unter dem Titel Orte des Erinnerns. Es handelt sich um 80 Doppelschilder, die an Straßenbeleuchtungsmasten befestig sind. Sie zeigen auf der einen Seite Bilder, Symbole oder Piktogramme, auf der anderen Seite Auszüge aus nationalsozialistischen Gesetzes- und Verordnungstexten, die die Entrechtung der Juden in Deutschland markierten.

Es gibt viel zu sehen im Bayerischen Viertel und Herr Forberg konnte uns viele interessante Geschichten und Begebenheiten erzählen. Durch alte Fotos, Postkarten und historische Stadtpläne, brachte er uns diesen Teil Berlins nahe! Unser Fazit: Es hat sich gelohnt, diesen Spaziergang zu unternehmen.

Hannelore B.

 

11.09.2020 - Tagesausflug nach Templin

Gelungener Ausflug in die achtgrößte Stadt Deutschlands

Wer hätte das gedacht? Die Stadt Templin hat zwar nur 16.000 Einwohner, steht aber flächenmäßig an achter Stelle in Deutschland. Sie verfügt über die einzige komplett erhaltene Stadtmauer aus Feldsteinen, 1.735 m lang, und nennt sich die Stadt der Tausend Linden – wir haben aber nicht nachgezählt. Eine so bedeutende Stadt muss natürlich zwei Bahnhöfe haben. So kam es, dass ein Teil unserer Gruppe, der sich im anderen Wagen der Regionalbahn 12 befand, irrtümlich am verkehrten Bahnhof ausstieg. Aber die drei Betreffenden kamen doch noch schnurstracks eilend rechtzeitig am Alten Rathaus auf dem Markt vor Beginn der Stadtführung an. Es war auch gerade Markttag mit bunt gemischten Ständen und vielen Besuchern. Für einige Frauen unserer Gruppe war natürlich der Schuhverkaufsstand besonders anziehend.

Eigentlich wollte die Stadt dieses Jahr ihr 750jähriges Bestehen festlich begehen, aber wegen der Corona-Pandemie war das nur stark eingeschränkt möglich. Ein besonderer Clou zum Jubiläum waren die akustischen Beiträge von Jugendlichen über die Stadt mit Klanguntermalung, die in den Wiekhäusern (Ausbuchtunngen) der Stadtmauer über lampenförmige Lautsprecher zu hören waren, sobald man sich auf die darunter markierten Positionen stellte. Beim Besuch der historischen St. Georgenkapelle verriet uns Stadtführer Manfred auch etwas Privates: Hier war er vor 52 Jahren getraut worden und hatte vor 2 Jahren mit seiner Frau die Goldene Hochzeit in festlichem Rahmen feiern können. Das Laufen über das alte Kopfsteinpflaster, mit dem fast alle Straßen und Wege versehen waren, war für uns ungewohnt und etwas strapaziös, so dass wir nach gut 2 Stunden froh waren, zum Mittagessen im Restaurant Shanty einkehren zu können. Hernach blieb noch etwas Zeit, selbst noch einmal durch den Stadtkern zu streifen oder den Markt aufzusuchen, bevor um 15 Uhr das Schiff für die 5-Seen-Fahrt auf uns wartete.    

Wolfgang G.

 

Templin – 5-Seenrundfahrt

Im Zusammenhang mit unserem Ausflug nach Templin unternahmen wir auch eine entspannte Bootsfahrt rund um die Kleinstadt. Wir starteten direkt am Eichwerder, der Liegestelle der Reederei Ziem, über den langgezogenen Templiner See. Auf diesem Abschnitt gab es fantastische Ausblicke auf die Uferpromenade und ausgewählte Templiner Stadtansichten. Weiter ging es über den Bruchsee zum Gleuensee. Wir waren sehr beeindruckt über die üppige Natur, die den heimischen Vögeln einen idealen Lebensraum bietet. Unter niedrigen Brücken hindurch ging es nun zum Fährsee und zum Zaarsee, den fünften See unserer kleinen Rundfahrt. Außer unserem Fahrgastschiff, der „MS Uckermark“, waren kaum Boote unterwegs. Nur einige Paddler und Kanuten drehten ihre Runden.

Warum ist es so ruhig und idyllisch auf diesen wunderschönen Seen? Der Grund ist eine defekte Schleuse südwestlich von Templin. Die Kannenberger Schleuse soll spätestens in ca. 2 Jahren wieder ihre Arbeit aufnehmen. Diese wichtige Verbindung ist der Anschluss zur Havel und damit für viele Bootseigner das „Tor“ nach Berlin. Ist diese Unterbrechung nun ein Fluch oder ein Segen für die Region??? Vielleicht ergibt sich für uns eine Gelegenheit, einmal diese Fahrt zu unternehmen und über den Templiner Kanal, Röddelinsee, den großen Lankensee usw. bis zur Havel zu schippern. Vorfreude ist die schönste Freude!

Hannelore B.

 

 

15.08.2020 - Hexen, Teufel und eine schwankende Brücke -  ein Ausflug in den Harz.

Pünktlich um 8:00 Uhr setzte sich der Bus von BVB Touristik Richtung Harz in Bewegung. Die Fahrt war ausgebucht, alle hielten sich an die Maskenpflicht, und die Klimaanlage des modernen Busses funktionierte hervorragend. Unsere kleine Gruppe, bestehend aus Hanne, Rotraut, Gloria, Heidi und mir, trat gut gelaunt die Fahrt an. Flüssiger Verkehr auf der Autobahn, so dass wir sogar früher als geplant an der Rappbodetalsperre ankamen! Hier waren  gut 2,5 Stunden Zeit, um die Brücke zu überqueren und einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Erstes "Highlight" war die Überquerung der Brücke. Die Titan-RT, die mit ihren 458,5 m Gesamtlänge das Rappbodetal neben der Staumauer überspannt, ist in der Tat ein Bauwerk der Superlative! Die filigrane Seilkonstruktion wurde erst im Frühjahr 2017 fertig gestellt. Vier Haupttragseile mit einem Durchmesser von 65 mm bilden das Rückgrat des 120 Tonnen schweren Bauwerks. Zusätzlich halten  2 Stabilisierungsseile die Brücke in Form, und bei höheren Windgeschwindigkeiten auch in Position. Der Gitterrost zum Überqueren der Brücke ist 120 cm breit und wird auf ganzer Länge von einem 130 cm hohen Geländer gesäumt. Seitlich sind Edelstahlnetze vom Geländer bis zum Gitterrost gespannt, so dass man die Brücke ohne spezielle Ausrüstung gefahrlos überqueren kann, was selbst mit Rollstuhl oder Kinderwagen möglich wäre. Ein bisschen seefest muss man allerdings sein, denn die Brücke schwankt wie ein Schiff bei mittlerem Seegang! Aber der atemberaubende Blick über das Rappbodetal ließ das Schwanken schnell vergessen. In der Mitte der Brücke direkt unter ihr befindet sich mit dem „GigaSwing“ der spektakulärste Pendelsprung Europas. Ganz Mutige können sich hier allein oder im Tandem in die Tiefe stürzen, gemütlich auspendeln und werden danach auf die Plattform zurückgezogen. Ich bekam schon Gänsehaut beim Zusehen! Zurück ging es dann über die Talsperren Straße, von wo man nochmals einen herrlichen Blick über das Tal und den Stausee hatte und darüber hinaus den Mutigen zuschauen konnte, die den Sprung mit dem GigaSwing wagten oder sich mit der Megazipline über das Tal gleiten ließen. Die Gedenktafel am Tunneleingang erinnerte an die Einweihung der Talsperre im Jahre 1959. War schon etwas komisch diesen Text zu lesen. Hier stand sinngemäß: "Eingeweiht am 03. Oktober 1959 zum 10. Jahrestag der DDR." Gründungstag der DDR war der 07. Oktober 1949! Nur zwei Jahre später wurde die Teilung Deutschlands durch den Mauerbau manifestiert. Und in diesem Jahr begehen wir am 03. Oktober den 30. Jahrestag der Einheit Deutschlands. So geht Geschichte! Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Ein schattiger Weg führte zurück zum Parkplatz. Es war Mittag und Zeit für einen Imbiss. Eine Harzer Bärlauchbratwurst vom Grill dazu Süßkartoffelpommes waren genau das Richtige! Und ein Plätzchen im Schatten der Imbissbude fanden wir auch.

Gut gestärkt und randvoll mit Eindrücken ging die Fahrt weiter zum Hexentanzplatz, den wir nach kurzer Zeit erreichten. Hier war ganz schön viel los! Ich konnte nur staunen, denn so belebt und touristisch erschlossen hatte ich ihn mir nicht vorgestellt. Der Hexentanzplatz ist ein 454 m hoch gelegenes Platteau gegenüber der Roßtrappe bei Thale. Der Überlieferung nach befand sich hier eine altsächsiche Kultstätte, wo jährlich in der Nacht zum 1. Mai die Wald- und Berggöttinnen verehrt wurden. Nach der Christianisierung und dem damit einhergehenden Verbot solcher Kulte wurde der Platz dann zum Hexentanzplatz, auf dem in der Walpurgisnacht die Hexen ihr Unwesen treiben und um die Hand des Teufels anhalten. In Goethes „Faust“ beobachten Mephisto und Faust die Hexen bei ihrem nächtlichen Treiben. Erwähnenswert ist der sogenannte Hexenring, ein aus Findlingen bestehender Steinkreis mit Bronzefiguren des Künstlers Jochen Müller. Auf dem größten Stein sitzt der Teufel, zu seinen Füßen ein Humunkulus und die Hexengroßmutter Wadelinde versucht, den Kreis des Bösen mit einem Stein zu schließen.

Wir besichtigten zunächst das Hexenhaus. Wirklich ein Erlebnis! Auf dem Hexenpfad dorthin war Gruseln angesagt.  Aus Holz geschnitzte Hexen und Teufel begleiteten den Weg, bis wir an dem auf dem Kopf stehenden Haus ankamen. Auch im Innern stand alles Kopf! Eine lustige Sache – nicht nur für Kinder! Wir hatten unseren Spaß! Zum Abschluss dann noch ein fantastischer Blick ins Bodetal und zur Roßtrappe. Bei kalten Getränken und einem kleinen Imbiss im Freien ließen wir diesen herrlichen Ausflug ausklingen, bevor es mit dem Bus zurück nach Berlin ging.

Es war ein rundum wunderbarer Tag auch dank der super Organisation durch BVB Touristik und die angenehme Begleitung durch Reiseleiterin Sonja.

Ilona S.

 

 

11.08.2020 - Ein heißer Nachmittag auf der Zitadelle in Spandau 

Bei der Planung haben wir natürlich nicht mit solchen Temperaturen gerechnet. Nun gut, nun war es so. Das beschwerlichste waren wohl die Anreise und die Heimreise. Für mich aus Wilhelmsruh bedeutete das immerhin knapp eine Stunde mit S- und U-Bahn quer durch Berlin bei Maskenpflicht und über dreißig Grad. Ärgerlich die Maskenmuffel in den Öffis!!! Dennoch freute ich mich auf die Abwechslung im tristen Corona-Alltag. Hannelore hatte alles super vorbereitet und so traf ich mich mit 12 Freunden des Vereins am Eingangstor der Zitadelle. Eine Führung war nicht geplant, was bei diesen Temperaturen auch durchaus angemessen war. Wir eroberten also individuell in kleinen Gruppen das Terrain. Die Zitadelle wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jh. unter Kurfürst Joachim II. errichtet. Von ihm findet man im Übrigen ein Originaldenkmal im ehemaligen Proviantmagazin. Sechs Hektar groß ist das gesamte Areal, auf dem es heute fünf historische Museen gibt. Das stadtgeschichtliche Museum im Zeughaus beherbergt rund 300 Objekte zur Geschichte der ehemaligen Festungsstadt Spandau, die erst seit 1920 zu Berlin gehört. Die Spandauer fühlen sich bis heute eher als Spandauer denn  als Berliner, und der Berliner betrachtet den Spandauer wohl immer noch als Exoten! Zurück zur Festung. Im Museum durften sich Corona bedingt nur fünf Besucher gleichzeitig aufhalten und natürlich bestand bei allen Innenraumbesichtigungen Maskenpflicht. Ich wendete mich deshalb zunächst dem Proviantmagazin zu, welches mich mit seinen rund 100 Originaldenkmälern, die das Berliner Stadtbild vom 18. Jh. bis heute prägten, aber inzwischen aus dem Stadtbild verschwunden sind,  sehr beeindruckte.

Im Magazin war es angenehm kühl, so dass sich die obligatorische Maske gut ertragen ließ. Unsere kleine Gruppe, bestehend aus Peter, Aenne, Renate, Britta und mir, „erforschte“ danach das weitläufige Außengelände.  Zwischen den Mauern gab es genügend schattige Plätzchen, wo man die Hitze gut aushalten konnte. Ein kleiner Anstieg führte zur Bastion Brandenburg, von wo aus man einen herrlichen Rundblick über die Havel zur Spandauer Seebrücke und zur Bastion Kronprinz der Festung genießen konnte. Der idyllische Hafen litt ebenfalls unter der Hitze, denn das Wasser war grün. Peter wollte den Aufstieg zum Juliusturm wagen, der war leider Corona bedingt gesperrt.

Aber Spandau liegt ja glücklicherweise in Berlin und als Berliner kann man die Festung jederzeit wieder besuchen, zumal der Eintrittspreis mit 4,50 Euro äußerst moderat ist. So sparte ich mir das Stadtmuseum für meinen nächsten Besuch auf. Interessant ist sicherlich auch die offene Führung, die samstags und sonntags jeweils um 11 Uhr stattfindet.  Auch dies eine Unternehmung für kühlere Tage! Nach knapp zwei Stunden war ich jedenfalls erst einmal reif für ein Bier, so war es sehr schön, dass Hannelore für uns Plätze im Restaurant Meilenstein reserviert hatte. Der Garten sah im Internet zwar ansprechender aus, denn real lag er direkt am großen Kreisverkehr des "Falkenseer Platzes", aber das kühle Bier und leckere Pfifferlinge entschädigten für die etwas unangenehme Stadtlage, wo  unentwegt der Verkehr der "Straße Am Juliusturm" an uns vorbei tobte. Als Bonbon obendrauf gab es noch ein kleines Privattheater, denn eine Hochzeitsgesellschaft hatte diesen Ort für ihre Feier ausgesucht und wir hatten etwas zum Schauen. Am Ende des Nachmittags waren wir dann nur noch zu fünft und ließen es uns nicht nehmen, im Brauhaus Spandau noch auf einen Absacker einzukehren. Ein wunderschöner Nachmittag und eine angenehme Abwechslung bei allen Corona-Einschränkungen.

Ilona S.

 

01.07.2020 Auf der Spur der Menschenrechte - Ein Spaziergang rund um den Kollwitzplatz

Es war schon etwas Besonderes, an diesem Spaziergang teilnehmen zu dürfen, denn die Teilnehmerzahl war aufgrund der Hygieneregeln auf 5 Personen beschränkt und das Interesse unter den Mitgliedern war weitaus höher! Da durfte man bei der Anmeldung nicht zögerlich sein. Ich erinnerte mich noch gut an den Spaziergang zum gleichen Thema auf der "Roten Insel" in Schöneberg, der mir damals sehr gefiel. Kollwitzplatz war für mich als Pankowerin natürlich ein Heimspiel! Dennoch war ich sehr neugierig und wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht. Viel wusste Martin Forberg zu erzählen. Der Bogen spannte sich von den Brüdern Skladanowski, die hier Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Filme drehten, die Völkerschauen der Kolonialisten jener Zeit, das 1902 eröffnete Volksbad in der Oderberger Straße, aber auch die jämmerlichen Lebensumstände der einfachen Leute in den Hinterhöfen der beeindruckenden Gründerzeithäuser, über den Widerstand während des Naziregimes bis hin zu kulturellen Randgruppen, die während der DDR-Zeit unter der Regide von Freia Klier hier im Kiez ihr Domnizil hatten. Dietrich Bonhoeffer unterrichtete ab 1931 eine Konfirmandengruppe in der Zionskirche. Auf dem Gelände der Kulturbrauerei befand sich Ende des 19. Jh. die größte Brauerei Deutschlands. Käthe Kollwitz, eine der bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jh., lebte und arbeitete hier im Kiez und noch heute schweift ihr Blick hoch oben von einem Sockel über spielende Kinder.

Die 1904 eingeweihte Synagoge in der Rykestraße galt damals mit 2000 Sitzplätzen als größte in Europa (neben Budapest). Sie entging in der Progromnacht von 1938 der vollständigen Zerstörung, da der nichtjüdische Bevölkerungsanteil in dieser Gegend zu hoch war, wurde aber ab 1940 als Lager für die Wehrmacht missbraucht. 1953 restauriert, war sie in Ostberlin die einzige Synagoge und wurde hier auch "Friedenstempel" genannt. Nach behutsamer denkmalgerechter Instandsetzung im Jahre 2007 gibt sie heute 1200 jüdischen Mitbürgern Gelegenheit zum Gebet. Überhaupt hat sich der gesamte Kiez in den letzten 30 Jahren grundlegend gewandelt. Größtenteils saniert, beherbergen die beeindruckenden Gründerzeit- und Jugendstilhäuser inzwischen begehrte Wohnungen im durchaus hochpreisigen Segment. Reges Treiben herrscht in den vielen kleinen Restaurants und Läden. Prominente Bewohner wie Wolfgang Thierse und Anne Will wissen die Wohnqualität zu schätzen. Auch Bill Clinton gab sich hier bereits die Ehre und kehrte im Gugelhof ein. Unsere Gruppe tat selbiges und ließ den Nachmittag im berühmten "Pasternak" unweit des Wasserturmes bei russischen Spezialitäten ausklingen. Vielleicht gibt es in naher Zukunft noch eine Nachauflage dieses Spazierganges für all diejenigen, die bei den beiden zurückliegenden Terminen nicht berücksichtigt werden konnten. Martin Forberg würde sich sicher freuen!

Ilona S.

 

25.05.2020 - Spargelessen auf dem Jakobshof Beelitz 

Endlich war es wieder einmal möglich, dass wir uns zu einem gemeinsamen „Event“ treffen konnten. Wegen der zahlreichen Auflagen, die uns CORONA beschert hat, mussten wir leider viele Unternehmungen und Zusammenkünfte absagen. Am 25. Mai war es dann so weit: Wir trafen uns zum Spargelessen im beliebten Jakobs-Hof in Beelitz. Es war die 5. „Spargelfahrt“ in Folge seit 2016. Insgesamt folgten 16 Mitglieder unserem Aufruf. Wir wurden nicht enttäuscht, denn die vielseitigen Spargelgerichte ließen keinen Wunsch offen. Leider konnten wir nicht im Garten bzw. Hof der Gaststätte sitzen. Die Regenschauer und die kühlen Temperaturen ließen es nicht zu. Glücklicherweise gibt es dort vielseitige Räumlichkeiten mit ausreichenden Plätzen. Mit den nötigen Abständen und anfangs auch mit Schutzmasken saßen 16 Personen in einer umgebauten Scheune, in der gut und gerne mehr als 150 Personen Platz finden würden. Auf den Fotos ist es erkennbar: Gemütlich ist ANDERS!!!

Trotzdem genossen wir den Nachmittag!!! Essen gut, Getränke gut, Gespräche gut….was will man mehr! Gegen 15.30 Uhr ging es dann wieder zurück nach Berlin mit Bus und Bahn oder mit dem PKW. Alle waren froh und glücklich, dass wir uns wieder mal treffen konnten!

Hannelore B.